ASB Magazin
März 2024
8/15

Die Demenzbetreuer:innen des ASB Mittel-Brandenburg

Ehrenamtlich im Einsatz für Demenzerkrankte und ihre Familien

© ASB/J. Weisbrod

Die Demenzbetreuer:innen des ASB Mittel-Brandenburg  

Ehrenamtlich im Einsatz für Demenzerkrankte und ihre Familien 

Menschen, die an Demenz erkrankt sind, und deren Angehörige sind oft mit ihrer neuen Lebenssituation überfordert. Der ASB Mittel-Brandenburg bietet mit seiner Demenzberatung und den ehrenamtlichen Demenzbetreuer:innen Unterstützung, auch für die Angehörigen. 

Das besondere Angebot des ASB ist aus der Beratungslandschaft im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg heute nicht mehr wegzudenken. Annette Breitmann, Diplom-Pflegewirtin, sowie ihre Kollegin Silke Härtel beraten und unterstützen einerseits die Erkrankten und deren Angehörige direkt und koordinieren, schulen und betreuen andererseits die ehrenamtlichen Demenzbetreuer:innen. Die Arbeit dieser 43 Ehrenamtlichen ist so beachtlich, dass das Team im Januar vom ASB-Bundesverband als „Freiwillige des Monats“ ausgezeichnet wurde. Mit der Auszeichnung werden Menschen im ASB gewürdigt, die sich im besonderem Maße ehrenamtlich engagieren. 

Die Arbeit der Demenzbetreuer:innen Seit 2002 bietet der ASB Mittel-Brandenburg die Demenzberatung und -betreuung an. Mehr als 350 Ehrenamtliche haben seitdem ihre Zeit und ihren Einsatz gespendet, teilweise über mehrere Jahre. Noch heute sind Freiwillige aktiv, die sich hier schon seit 2009 engagieren. Seit drei Jahren ist Gunter Koch als Ehrenamtlicher dabei. Der aktive 83-Jährige, der noch bis zu seinem 80. Lebensjahr in der Gastronomie gearbeitet hat, suchte nach dem Ausscheiden aus dem Berufs­leben etwas Neues. Zu Hause rumzusitzen, das sei nichts für ihn, sagt er. Stattdessen kümmert er sich jetzt zwei- bis dreimal die Woche mehrere Stunden um zwei Senior:innen, die an Demenz erkrankt sind. „Eine Betroffene ist meist kaum noch ansprechbar“, erklärt Koch. Doch wenn er gemeinsam mit ihr in die Natur fährt und spazieren geht, strahlt sie über das ganze Gesicht. „Ihr Mann sagt dann, sie ist für den ganzen Tag glücklich“, freut sich Koch.

Genauso wie Gunter Koch besuchen auch die anderen Ehrenamtlichen ihre Klient:innen teilweise mehrfach die Woche, um die Angehörigen zu unterstützen oder den Erkrankten Aufmerksamkeit oder Abwechslung vom Alltag zu schenken. Bevor sie aber an die Familien vermittelt werden, müssen die Demenzbetreuer:innen eine einwöchige Schulung zum Thema „Demenz – Rechte und Pflichten“ besuchen. Das ist eine Voraussetzung für dieses oft sehr herausfordernde Ehrenamt, so Demenzberaterin Annette Breitmann. 

Bei gemeinsamen Aktivitäten wird immer berücksichtigt, wieweit die Demenz die Menschen bereits einschränkt und was noch möglich ist. Das können Basteln, Vorlesen, Sport oder einfach gemeinsames Kaffeetrinken sein, je nachdem, was der betreuten und der betreuenden Person gefällt. Genauso macht es Ines Tonkel, die selbst schon 75 Jahre alt ist. Für sie ist spazieren gehen nichts, sie liebt es aber, sich zu unterhalten und mit den Erkrankten einfach Zeit zu verbringen. „Jeden Donnerstag frühstücken wir gemeinsam mit ihrer Schwester ganz gemütlich über mehrere Stunden“, erzählt die motivierte Seniorin. 

Nicht nur für die Erkrankten, auch für die Angehörigen sind die Demenzbetreuer:innen ein Segen. So unterschiedlich, wie die Aktivitäten sind, so wichtig ist dies für die Menschen mit Demenz und deren Angehörige. „Die Ehefrau eines Erkrankten war beruhigt und konnte Besorgungen über mehrere Stunden machen, wenn ich mich mit ihm beschäftigt habe“, so Ines Tonkel. Oft können die Angehörigen die Zeit nutzen, um Arzttermine wahrzunehmen oder andere Dinge zu erledigen. Und die Zahlen sprechen für sich: Die Demenz­betreuer:innen beim ASB Mittel-Brandenburg leisten zwischen 6.000 und 8.000 ehrenamtliche Stunden im Jahr. Eine beeindruckende Zahl, die der Arbeit von bis zu fünf Vollzeit-Arbeitskräften im Jahr entspricht. 

Dabei geht es nicht nur um die Beschäftigung und Begleitung an sich, sondern auch um die Beziehung zwischen den Beteiligten. In regelmäßigen Treffen wird dies reflektiert. Dabei werden auch einzelne Betreuungssituationen und die beobachteten Veränderungen bei den Betreuten besprochen. Durch den wiederkehrenden Kontakt mit den Erkrankten nehmen die Betreuer:innen oft schneller Krankheitsveränderungen wahr als die Angehörigen. Die Demenzberater:innen können dann Hausbesuche vereinbaren und besprechen, ob weitere Betreuungs- oder Pflegemaßnahmen erforderlich sind. 

Die Arbeit überzeugt auch ASB-Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Martin Fichtmüller, der für die Auszeichnung im Januar nach Brandenburg kam: „Die Zahl der an einer Demenz erkrankten Menschen nimmt in Deutschland seit Jahrzehnten rasant zu. Gegenwärtig sind 1,8 Millionen Menschen davon betroffen, und 2050 könnten es 2,8 Millionen sein. Die betroffenen Familien dürfen wir nicht alleinlassen. Deshalb ist das Angebot des RV Mittel-Brandenburg so wichtig und als vorbildliche Praxis bekannt zu machen. Wenn es im ASB bundesweit Schule macht, werden wir es nach unseren Möglichkeiten unterstützen. Das Konzept der ASB-Kompetenzzentren ‚Leben & Pflegen zu Hauseʻ, wie es in Hamburg umgesetzt wird, ist ein guter Anknüpfungspunkt für dieses Angebot.“ 

Neben dem Zugewinn an Lebensqualität und Wohlbefinden seitens der Betroffenen ist die Arbeit auch für die Demenzbetreuer:innen persönlich sehr bereichernd. „Mir gibt es auch etwas: Der Austausch mit anderen Menschen, etwas zurückzugeben, das macht mein Leben reicher“, sagt Gunter Koch und spricht für viele der ehrenamtlichen Engagierten, die sich jede Woche für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen beim ASB Mittel-Brandenburg einsetzen. 


Text: Jan Weisbrod